Romex Trial Bids

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  Alias Three Way Game Tries
 Situation Vollspielsuche
 Zweck Man hat einen Oberfarb-Fit auf 2er-Stufe gefunden und will die Blattverteilung erkunden, um mögliche Schnapper und Verlierer abzuschätzen.
 Hintergrund Die Zahl der erzielbaren Stiche hängt nicht nur von der gemeinsamen Figurenstärke ab. Man muss im Rahmen des Bietprozesses herausfinden, wie sich das Blatt abspielen lassen wird, ob man eine zweite lange Farbe hat, ob Schnappmöglichkeiten bestehen und wieviele Sofort-Verlierer drohen.
 Beschreibung   Man untersucht die Chancen für ein Vollspiel durch das Zeigen von Farben mit besonderer Kürze oder Länge. Durch einen kleinen Transfer-Mechanismus kombiniert man die Möglichkeiten von Short Suit Trial Bids und Long Suit Trial Bids.
 Erfinder George Rosenkranz

Inhaltsverzeichnis

Entstehung

Die Konvention ist Bestandteil des Romex-Bietsystems (George ROsenkranz aus MEXico).

Idee

Bei einem Oberfarb-Fit auf 2-er Stufe verwendet man Versuchsgebote (Trial Bids), um ein Vollspiel zu suchen. Üblicherweise legt man vorab fest, was mit einem Versuchsgebot gezeigt werden soll:

Nach einem Versuchsgebot kann der Partner die Längenverteilung und die Punkteverteilung in der fraglichen Farbe einschätzen -- siehe die nachfolgende Tabelle. Wir stellen hier systematisch für beide Hände alle denkbaren Kombinationen aus Stärke und Länge in der gereizten Trial-Farbe einander gegenüber.

waagrecht: Hand 1

senkrecht: Hand 2

lang + schwach lang + stark kurz + schwach kurz + stark
lang
+
schwach
es drohen drei und mehr Verlierer; der Gegner wird in dieser Farbe selbst dann angreifen, wenn er eine Gabel hält; vermutlich kann ein Gegner diese Farbe ab der dritten Runde stechen es ist sehr fraglich, ob in der Farbe Längenstiche entstehen können; wahrscheinlich haben wir mindestens zwei Verlierer wunderbar; wir geben nur einen Stich ab und stechen dann die hohen Werte der Gegner. Spielen wir im 4:4-Fit oder hat der Dummy die Kürze gezeigt, so liegt es nahe, dass die Gegner mit Trumpf angreifen. einigermaßen gut; wenn die kurze Hand single As hat, geben wir gar keinen Stich ab; andernfalls haben wir jedoch verlorene Werte (D,B); hält die kurze Hand (Kx), so haben wir die Chance auf einen Expass
lang
+
stark
eigentlich ganz gut, denn wir haben einen Doppelfit; dennoch können in den kurzen Farben drei Sofortverlierer drohen das sieht gut aus. Ein Topstich oder zumindest ein Expass, dann die Farbe hochschnappen und Abwürfe nutzen. Wir haben in dieser Farbe eine Werteverdoppelung; dafür fehlen uns vermutlich Werte in den beiden anderen Farben; mit etwas Glück können wir in der zweiten Farbrunde einen Verlierer abwerfen - aber nur, wenn wir eine der beiden anderen Farben rechtzeitig stoppen.
kurz
+
schwach
vermutlich haben wir ein Spiegelblatt; wenigstens sind unsere gemeinsamen Werte in den langen Farben konzentriert; die Gegner dürfen die Farbe nach der ersten Runde nicht mehr spielen, da wir sonst einen freien Abwurf bekommen. vermutlich haben wir ein Spiegelblatt; leider mit verlorenen Werten in der Kürze; wir haben wohl mindestens drei Verlierer in den anderen beiden Farben.
kurz
+
stark
Wir haben viel zu viele Werte in der kurzen Farbe; diese Werte fehlen in den anderen Farben; dort drohen vier und mehr Verlierer.

Man sieht, dass es besonders aussichtsreich ist, eine kurze, schwache Farbe zu zeigen (dritte Spalte). Eine kurze Farbe mit hohen Werten ist hingegen ungeeignet für ein Versuchsgebot (letzte Spalte, Ausnahme: A,x).

Hat man keine passende kurze Farbe, so kann man eine lange Farbe zeigen. Um den Partner nicht völlig im Unklaren zu lassen, müssen wir uns entscheiden: stark oder schwach? Da unser Blatt meist ohnehin nicht besonders stark sein wird (sonst würden wir selbst ins Vollspiel springen oder ein Kontrollgebot abgeben), dürfte eine lange schwache Farbe (<= 2FP) wesentlich häufiger vorkommen. Man zeigt eine solche Farbe mit der Hoffnung, dass der Partner kurz ist und Schnapper erzielbar sind.

Romex Trial Bids bauen daher primär auf SST auf und verwenden schwache LST als Ergänzung.

Romex Trial Bids machen keine Aussage darüber, was eine einfache Hebung auf 3 in OF bedeuten soll. Wenn dieses Gebot als Sperre mit Passzwang vereinbart wird, dann kann man Romex auch auf Power-Trials ausdehnen (siehe unten bei Varianten). Betrachtet man 1OF - 2OF - 3OF hingegen als allgemeine Einladung und/oder Frage nach der Trumpfqualität, so genügt die hier dargestellte Grundversion der Romex-Three-Way Bids.

Da das Offenbaren einer langen schwachen Farbe eine Einladung für die Gegner ist, diese Farbe anzugreifen, kann auch die 3er-Stufe schon riskant sein, wenn der Partner diese Farbe nicht kontrolliert (rotes Feld links oben). Romex gibt dem Partner daher die Chance, das Zeigen eines LST zu verhindern. Er kann mit 3 in OF ganz abwinken, sofort ins Vollspiel gehen oder eine eigene Kürze zeigen (SST). Nur wenn er all dies nicht tun will, stimmt er zu und wir zeigen ihm unsere lange schwache Farbe. Er wird uns zu einem solchen LST Bid beispielsweise dann auffordern, wenn er etwas mehr Punkte hält als bisher gezeigt und ein Double besitzt.

Beschreibung

Voraussetzungen für die Anwendung

  • Grundvoraussetzung ist ein Fit in Oberfarbe. Es kann sich um einen 5:3-Fit handeln (1 - pass - 2) oder um einen 4:4-Fit (1 - pass - 1 - pass - 2). Im ersten Fall gibt der Eröffner das Versuchsgebot ab, im zweiten Fall sein Partner.
  • Zweite Voraussetzung ist eine "einladende Stärke", also deutlich mehr Punkte, als man bisher gezeigt hat. Man hofft auf ein Vollspiel und fühlt sich jedenfalls stark genug, um 3 in OF zu spielen, selbst wenn der Partner Minimum hat. Die Punktegrenze legt man auf gemeinsame 23FV fest. Als Eröffner braucht man daher 17+FV (6+17=23); als Partner des Eröffners benötigt man 11+FV (12+11=23).
  • Bei der Bewertung der Punkte sollte man single B,D,K nicht mitzählen.
  • Neben der Punktestärke prüft der Spieler vor allem, ob er eine aussichtsreiche Verteilung mitbringt.
    • Besonders wertvoll ist eine Kürze. Als Kürze gelten Chicane und Single sowie (A,x).
    • Hat er keine Kürze, so sucht er nach einer Länge, die dem Partner helfen könnte. Als Länge gelten vier kleine Karten, notfalls auch drei.
    • Hat er beides nicht, jedoch besonders gute Werte (18-19 FV), so lädt er zum Vollspiel ein, ohne eine neue Farbe zu zeigen.

Ablauf

Das Gebot unmittelbar oberhalb der Fit-Farbe wird als Transfer benutzt und hat folgende Bedeutung:

Ich habe weder Single noch Chicane, aber ich bringe eine lange schwache Farbe mit,
die ich dir nennen könnte. Willst du, dass ich dir in der nächsten Bietrunde diese Farbe nenne?

Der Partner hat jetzt vier Möglichkeiten:

  • abwinken (schwaches Blatt)
  • Sprung ins Vollspiel
  • zustimmen, dass die lange Farbe gezeigt wird (Relay, = nächst-höheres Gebot)
  • ablehnen und stattdessen eine eigene Kürze zeigen (die kurze Farbe bieten, SST)

Nur im letzteren Fall nennt der erste Spieler daraufhin seine lange schwache Farbe. Da durch das Relay zwei Bietstufen verbraucht worden sind, kann er nur zwei Farben natürlich zeigen. Die dritte verbleibende Farbe wird durch das Gebot von 3 in Trumpffarbe gezeigt. Auf diese Weise kann man alle drei Farben zeigen, ohne über die 3er-Stufe hinaus zu gelangen.

Der Transfer hat einen weiteren Vorteil: Während es bei einem 4:4-Trumpf-Fit egal ist, welcher Spieler die Kürze besitzt, wünscht man sich bei einem 5:3-Fit die Kürze in der Hand mit den wenigen Trümpfen. Allerdings ist nach 1c - p - 2c zunächst der Eröffner am Zug. Durch den Transfer erhält der "richtige" Spieler die Chance, eine Kürze zu melden. Da ein Gebot wegen des Relay wegfällt, klappt dies allerdings nur für zwei von den drei möglichen Farben. Teilt der spätere Dummy eine Kürze mit, so ist dies nicht so schlimm, denn die Gegner können diese Farbe nicht angreifen und müssen beim Ausspiel zwischen den verbleibenden Farben wählen, ohne darüber Näheres zu wissen.

Beispiele

(Die Gegner passen immer)

1 - 2 - 3 SST der Trumpf-längeren Hand in Karo
1 - 2 - 3 SST der Trumpf-längeren Hand in Treff
1 - 1 - 2 - 2SA SST des späteren Alleinspielers in Pik (!)
1 - 1 - 2 - 2 - 3   Frage, Ablehnung, SST des Eröffners in Treff
1 - 2 - 2SA - 3 Frage, Ablehnung, Abschluss mit Teilspiel
1 - 1 - 2 - 2 - 4 Frage, Ablehnung, Abschluss mit Vollspiel
1 - 2 - 2 - 2SA - 3 Frage, Relay, LST in Karo
1 - 2 - 2SA - 3 - 3 Frage, Relay, LST in Treff (!)

Bietfolgen


Bietsysteme

Varianten

Variante A

Man könnte die zweite Stufe oberhalb des OF-Fit dazu verwenden, um mitzuteilen, dass man eine lange starke Farbe zeigen möchte. Gegenüber der oben dargestellten Systematik verliert man damit das niedrigste SST-Gebot und erhält stattdessen die Möglichkeit, in den beiden höchsten Farben ein Power-LST abzugeben.

Hintergrund ist, dass beispielsweise (D,x,x) wertlos gegenüber (x,x,x,x) ist (schwaches LST); hält der Partner jedoch (K,B,x,x) oder (A,B,x,x), so ist (D,x,x) wertvoll. Es bleibt allerdings das Problem, dass in den verbleibenden beiden Farben je zwei Sofort-Verlierer drohen. Abgesehen davon wird diese Situation ohnehin ziemlich selten sein.

Variante B

Man könnte die zweite Stufe oberhalb des OF-Fit dazu verwenden, um das Vollspiel "primär nach Punktegewicht" zu ermitteln. Man teilt also 17+FV mit und der Partner hat nun vier Gebote, um sein Blatt zu charakterisieren.

  • schwach, keine Kürze : 3 in Trumpffarbe
  • schwach, mit Kürze : eine Bietstufe
  • stark, ohne Kürze : zwei Bietstufen
  • stark, mit Kürze: 4 in Trumpffarbe

Gegenüber der oben dargestellten Systematik verliert man mit dieser Variante das niedrigste SST-Gebot und erhält stattdessen die Möglichkeit, ein Blatt ohne ausgeprägte Kürzen und Längen zu melden. Man fragt sich allerdings, wie häufig die beiden ambivalenten Antworten (schwach mit Kürze oder stark ohne Kürze) dem Partner die Entscheidung erleichtern können, ob er Vollspiel bieten soll oder nicht. Sein Problem dürfte unter anderem sein, dass er die Farbe der Kürze nicht kennt bzw. nicht weiß, wie sich die Stärke auf die Farben verteilt.

verwandte Konventionen

Verweise

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