Splinter
Aus BridgeLexikon
| Situation | Schlemmsuche |
| Zweck | Nach Partners Eröffnung möchte man an eine starke, unausgeglichene Hand mit Farbfit und Schlemminteresse möglichst effektiv mitteilen. |
| Hintergrund | Für ein Schlemmgebot ist es oft wichtig, neben der Gesamtstärke zu wissen, welche Farbe(n) der Partner kontrolliert. Eine Kontrolle kann (bei Trumpfanschluss) auch durch ein Single oder eine Chicane begründet sein. |
| Beschreibung | Wer mit einem Doppelsprung in eine neue Farbe ein Splintergebot abgibt, teilt dabei neben seiner Gesamtstärke und dem Trumpfanschluss direkt die Farbe mit, die er mittels Singleton oder Chicane kontrolliert. |
Inhaltsverzeichnis |
Entstehung
Idee
Beschreibung
Splinter Gebote nehmen viel Bietraum weg, teilen aber auch sehr viel mit. Man benutzt den Doppelsprung in eine neue Farbe, um Stärke, Trumpfunterstützung und eine kurze Farbe gleichzeitig mitzuteilen. Wer ein Splintergebot abgibt, vermutet, dass die gemeinsame Stärke für einen Schlemm ausreicht, falls der Partner deutlich mehr Werte besitzt, als für eine einfache Eröffnung nötig sind.
Der Eröffner kann mit der Information über die kurze Farbe (=die "Splinterfarbe") seine Hand neu bewerten: mittlere Honneurs (K,D,B) in der Splinterfarbe werden als "verlorene Werte" abgewertet, in den anderen Farben werden Honneurs tendentiell aufgewertet. Besitzt der Eröffner Axxx in der Splinterfarbe, ist die Freude besonders groß.
Der Doppelsprung wird als Indikator für Splinter benutzt, weil normalerweise der einfache Sprung als forcierendes Gebot (mit natürlicher Farbe) benötigt wird. Wenn in einer Situation bereits der einfache Überruf in neuer Farbe ein forcierende Wirkung hat, genügt auch der einfache Sprung, um ein Splintergebot zu kennzeichnen.
Beispiel: Nach Zwischenreizung der Gegner (1♥–2♣) ist eine neue Farbe (2♦) forcierend; man kann also mit dem Partner vereinbaren, nach 1♥–2♣ ein Gebot von 3♦ als Splinter aufzufassen; in der Regel wird eine solche Sequenz jedoch eher verwendet, um einen starken Zweifärber zu zeigen.
Idealerweise besteht die Splinterfarbe aus einem kleinen Single, d.h. die hohen Werte liegen in den anderen Farben. Dennoch kann man gelegentlich auch mit einem single Honneur splintern.
Voraussetzungen für die Anwendung
Frage und Antwortschema
Weiterer Verlauf nach der Antwort
Beispiele
Ein Gebot von 4♣ nach 1♥ bestätigt ♥ als Trumpffarbe und zeigt ein Single (Zweitrundenkontrolle) oder eine Chicane (Erstrundenkontrolle) in Treff.
Eine typische Reizung: das 4♦ Gebot ist ein Splinter und bestätigt ♠ als Trumpf:
| Nord | Ost | Süd |
|---|---|---|
| 1♠ | pass | 4♦ |
Im nächsten Beispiel kommt das Splintergebot vom Eröffner; er nennt eine neue (Neben-)Farbe im Doppelsprung; dadurch bestätigt er Partners Trumpfvorschlag und zeigt eine Karo-Kontrolle:
| Nord | Ost | Süd | West |
|---|---|---|---|
| 1♣ | pass | 1♠ | pass |
| 4♦ |
Der Partner des Eröffners kann auch in der zweiten Bietrunde noch ein Splintergebot abgeben.
Süd hält offenbar mindestens je vier Karten in den Oberfarben und hat eine Kürze in Karo:
| Nord | Ost | Süd | West |
|---|---|---|---|
| 1♣ | pass | 1♥ | pass |
| 1♠ | pass | 4♦ | pass |
Nicht immer ist es die 4er-Stufe für ein Splintergebot nötig. Nach einer Eröffnung in Unterfarbe sind 3♥ und 3♠ Splintergebote.
Bietfolgen
Bietsysteme
Varianten
Es gibt bestimmte "mini-Splinter"-Formen, in denen es nicht um Schlemm geht, sondern um Vollspiel.
verwandte Konventionen
- ein Ergänzungsverhältnis besteht zu Jacoby 2NT Geboten; diese zeigen eine starke ausgeglichene Hand mit Farbfit.
- die Idee, durch die Mitteilung einer kurzen Farbe Kontrollen zu zeigen, kommt in etlichen Konventionen vor, z.B. bei einer Variante der Versuchsgebote und bei Cuebids.