Opfergebot
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Definition
Ein Gebot, von dem man annimmt, dass der damit verbundene Kontrakt fallen wird. Aus Sicht der Punktewertung kann es günstiger sein, selbst zu spielen und zu verlieren, als den Gegnern ein Spiel zu überlassen, das sie gewinnen werden.
Erläuterung
Kriterien für die Situationsbewertung
Um zu entscheiden, ob sich ein Opfergebot lohnt, muss man zahlreiche Aspekte bedenken:
- die Art des Turniers bzw. der Abrechnung
- die Höhe des gegnerischen Kontrakts und die damit verbundenen Prämien
- die Gefahrenlage beider Parteien
- die Wahrscheinlichkeit, dass die Gegner ihr Spiel gewinnen werden, wenn man sie spielen läßt
- Chance und Risiko, wenn man selbst kontriert
- die Wahrscheinlichkeit, mit der das eigene Opferspiel verlorengehen wird
- die vermutliche Anzahl der Faller, die man wird kassieren müssen
- die Wahrscheinlichkeit, dass die Gegner kontrieren werden
- die Wahrscheinlichkeit, mit der die Gegner das Opfer ausschlagen und selbst noch eine Stufe höher bieten
- die Chance, das erhöhte gegnerische Gebot dann selbst zu kontrieren
Beispiel
Das folgende Beispiel demonstriert alle Aspekte:
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Ost zeigt mit seinem Sputnik-Kontra eine Kürze in ♠ und mindestens 4 ♥ Karten; anschließend hört er von West, dass die Treff-Farbe echt war und kein ♥-Fit vorhanden ist. Nord springt mit seinem 6-3 ♠-Fit ins Vollspiel, um die Sache klar zu machen. Ost läßt sich jedoch von der roten Stop-Karte nicht einschüchtern. In günstiger Gefahrenlage "weiß gegen rot" gibt er mit 5♣ ein Gebot ab, das als Opfer zu verstehen ist. | |||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||
Die Rechnung von Ost ist etwa so:
- Ich sehe einen sehr schönen Treff-Fit und die Eröffnungsstärke meines Partners.
- Ich hoffe auf einen oder zwei♠-Schnapper hoffen, vielleicht sogar noch einen in ♦.
- Zusammen sind das bei realistischer Betrachtung vielleicht 10 Stiche, aber keine 11.
- Bevor ich die Pass-Karte zücke, denke ich aber noch über den Score nach, schließlich ist die Gefahrenlage für uns günstig!
- 5♣ im Kontra mit ein bis zwei Fallern ergibt 100 oder 300 Punkte für NS
- vielleicht bekommen wir gar kein Kontra, dann sind es nur 50 oder 100 Punkte
- selbst zu kontrieren ist sehr riskant; vermutlich sind die 4 Pik durchaus drin
- wenn die Gegner 4♠ machen, haben sie 620 Punkte, d.h. man dürfte sogar dreimal im Kontra fallen (500 Punkte für NS) und hätte immer noch einen Vorteil gegenüber denjenigen OW-Paaren, die NS ihre 4♠ in Ruhe spielen lassen.
- wenn wir durch unser Opfer die Gegner eine Stufe höher treiben, dann bricht ihnen das vielleicht das Genick.
Süd analysiert die Situation rational und emotional. Er rechnet so:
- eigentlich müßte ich passen; ich habe bisher Partner einmal gehoben und mein Blatt ist nicht wesentlich stärker, als ich gezeigt habe.
- Oder sollte ich nicht wenigstens das Opferangebot der Gegner kontrieren? Wird Partner kontrieren, wenn ich es nicht tue? Eigentlich fehlen mir aber für ein Kontra aus eigener Stärke die Offensivstiche.
- Wäre es nicht schrecklich, wenn die Gegner unkontriert einmal fallen? Oder können Sie gar gewinnen, wenn die roten Farben bei ihnen ungleichmäßig stehen? Mein Partner hat mit seinem Abschlussgebot eine starke Pikfarbe gezeigt. Ob er überhaupt Defensivstärke hat?
- Ach was, meine Könige stehen zwar vor der starken Gegnerhand, aber manchmal hilft ja auch das Glück, also vielleicht doch 5♠?
- das werden wir natürlich im Kontra spielen müssen.
- Wir spielen Paarturnier. Nicht an allen Tischen rund um uns herum sitzen Profis. Einige NS-Paare werden ihre 4♠ spielen und erfüllen, d.h. unser Score ist sowieso schon unter dem Durchschnitt, auch wenn z.B. 5♣X-2 objektiv das korrekte Ergebnis wäre. Wenn wir aber die 5♠ im Kontra wider Erwarten erfüllen, dann haben wir einen einsamen Top von 850 Punkten. Wenn wir es ohne Kontra schaffen, sind wir zumindest mit 650 Punkten bei denen dabei, die 4♠+1 gemacht haben. Manche NS-Paare finden vielleicht den Überstich nicht, die haben dann nur 620 Punkte..
- Heute ist unser Glückstag: 5♠!
West denkt sich
- Partners Gebot hatte doch Opfercharakter?
- Die Gegner sind ganz schön frech.
- Wenn die 5♠ tatsächlich drin sein sollten, dann wäre es durchaus logisch, unser Opfer zu erhöhen. Bei 6♣ im Kontra müßten wir nur 9 Stiche erzielen, um mit 500 gegen 650 Punkten immer noch besser dazustehen, als wenn wir jetzt passen.
- Aber halt: Die Gegner sind doch wohl dabei, sich zu übernehmen.
- Die Entscheidung über ein Kontra kann ich allerdings meinem Partner nicht überlassen.
- Ich ziehe Treff As und Couer As ab und Partner macht hoffentlich einen Karo Schnapper.
- Ganz genau weiß man es immer erst hinterher.
- Kontra!
Das Abspiel: Bei der konkreten Teilung können die 5♠ sogar gewonnen werden, da nach dem Treff-Angriff Nord/Süd zwei Karos und die Trümpfe ziehen; ein ♥ von N verschwindet auf das letzte Karo von Süd und NS geben nur noch einen ♥-Verlierer ab.
Das Beispiel sollte jedoch keinesfalls zu der Ansicht verleiten, ein gegnerisches Opfer auszuschlagen sei generell eine gute Idee.