Lebensohl
Aus BridgeLexikon
| Situation | Wettbewerbsreizung |
| Zweck | Man möchte in Situationen, in denen ein Gebot normalerweise forcierend wäre, zwischen Geboten unterschiedlicher Spielstärke unterscheiden können. Ist man stark genug für ein Rundenforcing, so will man den Partner nach seiner Hand befragen. |
| Hintergrund | Durch die Zwischenreizung der Gegner kann man den Bietraum besser ausnutzen und bei Bedarf noch unterhalb des Vollspiels stehen bleiben. |
| Beschreibung | Das Gebot von 2SA wird als künstliche Zwischenstufe in die Reizung eingebaut. Die Antwort des Partners auf 3er-Stufe beschreibt danach die Stärke seiner Hand. |
| Erfinder | George Boehm |
Inhaltsverzeichnis |
Entstehung
Die Konvention entstand in den 1960er Jahren und wurde Kenneth Lebensold (mit fehlerhafter Namensschreibweise) zugeschrieben, der jedoch keine Urheberschaft dafür reklamierte. 1970 erschien ein Artikel über die Konvention in "The Bridge World", verfasst von George Boehm.
Idee
Lebensohl benutzt das 2SA Gebot, das vom Partner mit 3 in Farbe beantwortet werden muss, um eine künstliche Stufe in die Reizung einzubauen, die die Unterscheidung zwischen Geboten unterschiedlicher Spielstärke ermöglicht. Es gibt eine ganze Reihe von Situationen, in denen das Lebensohl-Prinzip zum Einsatz kommen kann.
Einige Einsatzgebiete:
- Nach 1SA-Eröffnung und natürlicher Gegenreizung (Standard-Anwendungsfall)
- Nach Informations-Kontra auf ein Weak Two
- Nach Informations-Kontra und einfacher Hebung
- Nach einer eigenen Revers-Reizung (Ingberman)
- Nach Cuebid in Gegnerfarbe
Man sollte mit seinem Partner klären, in welchen Situationen Lebensohl angewandt wird. Außerdem muss man die genaue Variante vereinbaren, da es z.B.auch eine invertierte Form der Lebensohl Konvention gibt.
Beschreibung
Lebensohl nach 1SA-Eröffnung und natürlicher Zwischenreizung
Lebensohl wird typischerweise benutzt, nachdem der Partner mit 1SA eröffnet hat und der Gegner zwischengereizt hat. Man möchte als Partner des Eröffners einerseits nicht forcierende Gebote machen können und andererseits bei einer starken Hand mehr vom Eröffner hören. Nebenbei soll der Eröffner auch noch erfahren, ob man die gegnerische Farbe stoppt.
Nach 1SA - 2? kann sich der Partner des SA-Eröffners entscheiden für:
- 2 in Farbe
- natürlich, nicht forcierend
- 3 in neuer Farbe
- natürlich, forcierend zum Vollspiel
- 3 in Gegners Farbe (cuebid-Überruf)
- verspricht einen Stopper in der Gegnerfarbe
- fragt den Partner ähnlich wie Stayman nach einer 4er-OF
- 3SA
- verspricht einen Stopper in der Gegnerfarbe
- Abschlussgebot
- 2 SA - Lebensohl
- ein künstliches Relaisgebot mit Interesse an Vollspiel
- ohne Stopper in der Gegnerfarbe
- fordert den Partner auf, seine Farbe und Stärke zu zeigen
Antworten nach 1SA - 2x - 2SA(Lebensohl):
- 3 in einer Farbe, die niedriger als die Gegnerfarbe ist
- natürlich, nicht forcierend
- ob ein Stopper in Gegnerfarbe vorhanden ist, bleibt offen
- starke Tendenz zum Abschlussgebot
- 3 in einer Farbe, die höher als die Gegnerfarbe ist
- natürlich, lädt zum Vollspiel ein
- kein Stopper in Gegnerfarbe
- Überruf der Gegnerfarbe (cuebid)
- künstlich, fragt den Partner ähnlich wie Stayman nach einer 4er-OF
- verneint einen Stopper in der Gegnerfarbe
- 3SA
- Abschlussgebot
Lebensohl nach einem Informations-Kontra auf ein Weak-Two
Die gleichen Mechanismen sind anwendbar, wenn der Gegner ein Weak 2 eröffnet hat und wir ein Informationskontra abgegeben haben.
(2?) X (P) 2SA
(P) 3? (P) 3?
ist zum Spielen.
(2?) X (P) 3?
Ist konstruktiv aber nicht forcierend.
Ist der Partner des Kontrierenden spielbereit in allen Farben, so gibt er ein Cuebid in der Gegnerfarbe ab.
Ein 2SA Lebensohl-Relais zeigt auch hier immer einen Stopper in der Gegnerfarbe.
(2?) X (P) 2SA* (fordert 3?)
(P) 3? (P) 3?* (fragt: 4? oder 3SA?)
(2?) X (P) 3?* (fragt: 4? oder 4UF?)
Eine Sache ändert sich gegenüber der Lebensohl-Variante nach 1SA:
Da der Kontrierende eine Kürze in Gegners Farbe hat zeigt das 3SA-Gebot in jedem Fall einen Stopper. Die Verzögerung über das Lebensohl-Relais garantiert hier eine starke Hand mit Schlemminteresse
(2?) X (P) 2SA
(P) 3? (P) 3SA (14-17 FP, Schlemminteresse)
(2?) X (P) 3SA (11-13 FP, kein Schlemminteresse)
Lebensohl nach Partners Info-Kontra und (destruktiver) Hebung
Die gleichen Systeme greifen, wenn der Partner eine Oberfarbe kontriert hat und der rechte Gegner seinen Partner gehoben hat:
Nichtforcierende Gebote werden über Lebensohl abgegeben Einladend wird direkt gereizt.
(1?) X (2?) 2SA - Fordert 3?. (P) 3? (P) 3
(1?) X (2?) 3? - einladend 4+?, 10-12 Pkt.
(1?) X (2?) 3? - forcing 4?, 13+ Pkt kein Stopper
(1?) X (2?) 2SA - fordert 3?. P 3? P 3? 4?, 13+ Pkt, ?-Stopper (1?) X (2?) 2SA - Fordert 3?. 8-9 Pkt.
(1?) X (2?) (P) (P) X Pass 2SA - fordert 3C. 8-9 Pkt.
Auch hier gilt: Angepasst=kein Lebensohl.
Lebensohl nach Reverse-Reizungen
1? (P) 1? (P) 2? (P) 2SA (P) 3? (P) 3? - Minimum, zum Passen
1? (P) 1? (P)
2? (P) 3? - zur Partie einladend
8-11, 3+?
1? (P) 1? (P)
2? (P) 3 - zur Partie einladend
8-11, 3+?
Lebensohl in Verbindung mit Cuebids
Ein letztes Einsatzgebiet des Lebensohlprinzips soll noch erwähnt werden: Wenn das Überrufen der Gegnerfarbe einen Zweifärber zeigt: Im folgenden unterstellen wir, dass wir Schroeder Überrufe spielen.
Beispiel: (1?) 2? (P) 3? Das letzte Gebot zeigt eine Einladende Hand. Der Partner kann mit 3? einen Pikstopper abfragen. Schiebt man dagegen Lebensohl ein, so ist die Reizung zum Passen. (1?) 2? (P) 2SA (p) 3? (p) 3? zum Passen Ein weiteres Cuebid signalisiert Forcing mit der vom Partner signalisierten OF. Einschalten des Lebensohl-Relais verspricht einen Stopper. (1?) 2? (P) 2SA (p) 3? (p) 3? Einladend zu vier Pik oder 3SA Auch nach Unterfarb-Überrufen gilt: Das Bieten einer Oberfarbe auf 2er Stufe ist nicht forcierend Das Bieten einer OF auf Dreier-Stufe ist Partieforcierend Cuebids der Gegnerfarbe fragen nach der Oberfarbe, mit einem vorgeschalteten Lebensohl-Relais wird ein Stopper signalisiert. Bietet man erst Lebensohl und dann eine OF, so ist das einladend.
Beispiele
Beispiele:
1SA (2?) 2SA (P)
3? (P) 3?
3? ist zum Spielen, da 2? als direktes Gebot nicht zur Verf�gung stand.
1SA (2?) 2SA (P)
3? (P) 3?
3? ist genau einladend, mit einer schwächeren Hand hätte man direkt 2? reizen können.
Das Cuebid (Überruf der Gegnerfarbe) zeigt immer die Oberfarben. Alternativ kann man vereinbaren, dass dieses Gebot nach 4er-Oberfarbe(n) fragt (wie Stayman).
Schaltet man vor ein Cuebid oder das Gebot von 3SA noch ein Lebensohl-Relais, so verspricht das einen Stopper in der Gegnerfarbe und partiegehende Werte (slow shows). Ebensogut kann man vereinbaren, dass diese Sequenz einen Stopper verneint und nur einladend ist.
1SA (2?) 2SA (P)
3? (P) 3?
Diese Reizung ist forcierend mit 4er-? und ?-Stopper.
1SA (2?) 3?
Kein ?-Stopper, fragt nach OF.
Das gleiche Prinzip gilt auch für das 3SA-Gebot.
Vorsicht, gefährliche Falle:
1SA (2?) 3SA (P)
Diese Reizung zeigt eine Hand ohne ?-Stopper und ohne ?. Wenn der Eröffner auch keinen ?-Stopper hat, muss er auf eine Unterfarbe ausbessern.
Mit Stopper wird 3SA über Lebensohl gereizt.
1SA (2?) 2SA (P)
3? (P) 3SA
Falls man schwachen SA spielt so gibt es kein Lebensohl, wenn man bereits angepasst ist (man kann angepasst keine forcierende Hand mehr haben.) Dann ist 2SA natürlich.
Bietfolgen
Bietsysteme
Varianten
Im Artikel ist die Standardvariante von Lebensohl beschrieben, bei der der Partner des 1SA-Eröffners eine starke Hand ohne Stopper in der Gegnerfarbe durch das künstliche 2SA-Gebot signalisiert.
Invertierter Lebensohl
Hier gilt, dass das 2SA-Gebot einen Stopper in der Gegnerfarbe zeigt und ein Gebot auf 3er-Stufe ihn verneint.
Das Lebensohl-Verfahren ermöglicht es, das gleiche Gebot mit und ohne Relais abzugeben, um damit zwei unterschiedliche Bedeutungen zu übermitteln. Diese beiden Bedeutungen lassen sich miteinander vertauschen. Derartige Vertauschungen haben Vor- und Nachteile.
Betrachten wir z.B. die folgenden beiden Reizungen. Mit beiden wird ein 4er? gezeigt. (a) 1SA (2?) 3?
(b) 1SA (2?) 2SA (p) 3? (p) 3? In der oben vorgestellten Variante von Lebensohl wurde festgelegt, dass die Variante (a) den Pikstopper verneint, während (b) ihn zeigt. Diese beiden Bedeutungen kann man gegeneinander austauschen. Diese beiden Varianten kann man vertauschen.
Auch bei (a) 1SA (2?) 3? *
(b) 1SA (2?) 2SA (*) 3? (p) 3?
kann man natürlich darüber debattieren, ob es sinnvoll ist, dass die Variante (a) stärker sein soll, als (b) Wenn (a)stärker ist, hat man den Vorteil, dass die Gegner bei (*) nicht mehr richtig stören können, weil die konstruktiven Bedeutungen sofort beschrieben sind.
Spielt man dagegen (b) als starke Variante, steht man ziemlich im Nebel, falls bei(*) 3/4/5? geboten wird. Andererseits fällt dem Gegner im Fall (b) natürlich die Zwischenreizung viel schwerer, wenn mit der Variante (b) die starken Hände beschrieben werden.
Man sollte also mit seinem Partner klären, welche Bedeutung die Gebote mit und ohne Lebensohl haben.
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